Als ich 13 Jahre alt war, wollte ich einen Hund, und dieser sollte „Spike“ heißen. Der Wunsch hielt eine Woche…. Trotz dieser rührseligen Geschichte, darf offenkundig behauptet werden, dass ich nie mit Hunden oder Tieren groß geworden bin.
Erst als es in Richtung Familiengründung ging, sollte „der Vollständigkeit halber“ ein Hund mit ins Haus. Als Hormonmutterschiff (in der Schwangerschaft) stimmte ich der Anschaffung eines Welpen zu. Lest bei Bedarf gerne den Artikel „Baby und Welpe“….
Nun war für mich die erste Frage, die ich mir gerne beantworten wollte:
Warum überhaupt ein Hund; was gibt der mir?
Ganz natürlich egoistischer Gedanke; was ist die Gegenleistung für Dreck-weg-machen (vor allem im Herbst, wenn es so geil matschig draußen ist), bei Wind und Wetter mehrmals täglich spazieren, stinkendes nasses Hundefell, teurer Tierarzt, teures Futter, teures Equipment (lest dazu gerne den Artikel „Equipment Basic“), teure Hundepension, wenn doch mal in den Urlaub geflogen wird, weil man sich einfach mal um NICHTS kümmern möchte (und das ist nicht verwerflich!). Oder ich schleppe den Hund mit in den Urlaub und die Familie kann es sich in der Dachbox gemütlich machen. Hundeschule, Erziehungsarbeit zu Hause, umdekorierte Wohnung, weil alleine bleiben gar nicht schockt, zerkaute Schuhe und Möbel oder die Post wird gefressen (dazu gerne im Bereich Story Telling stöbern). Und das Wort Flexibilität kann sowieso komplett aus dem Wortschatz gestrichen. Diese Liste ist definitiv nicht abschließend.
Somit fragte ich einen Hundebesitzer, was ich denn nun für all diese endlos erscheinende Negativliste als Gegenleistung bekomme? Seine Antwort:
„Kann ich dir so genau nicht sagen, du wirst es merken.“ Ach echt? Krass! Her mit dem Hund, ich kann es kaum erwarten es zu merken, irgendwann…. Aber, er sollte Recht behalten!
Diese Frage „was gibt mir ein Hund“ und vor allem „was möchte und kann ich dem Hund geben“, sollte man sich tatsächlich stellen. Mit allen positiven und negativen Konsequenzen. Das, was ich oben beschrieben habe, sind leider Fakten! Dieses lässt sich nur aushalten, wenn man sich mit genug Liebe im Herzen für einen Hund entscheidet.
Einem Hund beim Spielen, Entdecken und ihm beim Schlafen zugucken….jeder Juchzer im Traum, jeder Schluckauf und jeder Schnarcher wird euer Herz erwärmen (ich schwör 😉) Jeder Pups und jeder Aufstoßer wird mit einem Lächeln weggeatmet. Und das ist zur Abwechslung keine Ironie!
Der Hund liebt euch bedingungslos. Er will euch gefallen, ihr seid sein Fels in der Brandung (siehe Artikel „Hundeerziehung ohne Druck“) , er vertraut und verlässt sich auf euch, ihr seid sein Leben, und er würde euch nie betrügen. Das loyalste Wesen an eurer Seite. PUNKT
Habt ihr diese eine Schlüsselfrage für euch mit „ja“ beantwortet, dann folgen erst die nächsten Fragen.
Welche Hunderasse passt zu mir?
Überall ist zu dieser Frage zu lesen, welche Hunde sind geeignet für Anfänger oder leicht zu erziehen oder wieviel Auslauf braucht der Hund. Nach dieser offensichtlich allgemein anerkannten Liste wählen die meisten Menschen ihren Hund aus. Aus meiner Froschperspektive würde ich behaupten wollen:
- Wer ist wann ein Anfänger? Mein erster Hund war ein Ridgeback. Überall wird mit blinkenden Warn-LED und roten Stopp- Schildern gewarnt, dass ein Ridgeback kein Anfängerhund ist. Aber die Menschen die seit Jahren einen Hund haben, und der kläffende und Zähne fletschende Fiffi aus der Handtasche guckt, ist kein Anfänger mehr und wäre somit ruhigen Gewissens geeignet einen Ridgeback zu halten?
- Leicht oder schwer zu erziehen. Nun gut… ein Deutscher Schäferhund klatscht sofort auf den Bauch, wenn man auch nur den Gedanken „Platz“ hegt; während für einen Ridgeback das Kommando „Platz“ erst nach mehrmaliger Aufforderung bedeutet: ich rutsche mal 5 cm aus meinem Sitz nach unten und gucke meinen Besitzer gequält an, ob das denn nun bitte reicht.
Exkurs: Das ist das berühmte, rassespezifische und vollwertig anerkannte „Ridgeback-Platz“; erfährt allgemeine Gültigkeit und Akzeptanz bei 99% der Besitzer.
Die Frage ist dabei: Soll der Hund alltagstauglich oder ein Turnierchampion sein? Am Ende des Tages braucht JEDER Hund von erfahrenen oder unerfahrenen Besitzern eine vernünftige Erziehung, die je nach Anspruch mehr oder weniger in die Tiefe geht.
- Lasst mich nachdenken, wie es mit dem Auslauf ist… mein kriminalistischer Spürsinn sagt mir, dass jeder gesunde Hund 4 Beine hat und laufen kann. JEDER Hund braucht Auslauf; ob kurze oder lange Beine. Auch ein kleiner Hund ist gerne draußen an der Luft und schnuppert sich durch den Wald.
Die Größe des Hundes spielt natürlich dann eine Rolle, wieviel Platz man gerne am Abend auf dem Sofa für sich selbst hätte.
Zusammengefasst: wählt euren Hund nachdem aus, was ihr ihm bieten könnt. Habt ihr eher Lust auf Hundesport, wollt ihr Fahrrad fahren mit dem Hund, soll er euer Haus bewachen oder euch mangels Masse schnell und unauffällig überall hinbegleiten. Am Pferd mitlaufen oder 15236 Mal den Ball aus dem Wasser holen. Vieles ist tatsächlich mit kleinen Hunden deutlich besser umzusetzen. Aber auch nur, weil Unwissende in unserer Gesellschaft glauben: kleine Hunde tun nix; und deswegen werden sie deutlich öfter toleriert. Und auch hier kann man auch einmal ins Klo greifen, keine Frage. Lest dazu gerne im Story Telling: „Toller Laufhund“
Aber JEDER Hund braucht Erziehung! Und JEDER Hund benötigt Auslauf!
Rüde oder Hündin ?
Hier eine leicht humoristische Entscheidungshilfe:
Physisch:
- Rüde: Größer und stämmiger
- Hündin: Schlanker und wendiger
Anhänglichkeit:
- Rüde: Total anhänglich, wie eine Klette
- Hündin: Liebt Schmusen, aber nur, wenn sie dich lässt
Reife:
- Rüde: Bleibt ewig ein tollpatschiger Welpe
- Hündin: Wird schnell erwachsen und ist die Chefin
Drama:
- Rüde: Jault laut über alles und jeden
- Hündin: Verurteilt dich still und plant Rache
Ich hatte beide Geschlechter und ein Funken Wahrheit ist tatsächlich, wie oben beschrieben dabei. Meine Hündinnen sind schon souveräner, mutiger und eigenständiger. Wenn der Spielmannzug an Schützenfest vorbei zieht, dann laufen Atambu UND der Gast- Rüde, völlig hilflos und überfordert durchs Haus, während Gaya vorne am Zaun absichert und mit reiner Präsenz darum bittet, weiter zu marschieren, hier gibt´s nichts zu gucken!
Gleichzeitig waren und sind meine Hündinnen IMMER mein Fels in der Brandung. Welcher Kummer oder Sorge auch immer, ich konnte ans Körbchen gehen, meine Nase in ihr Fell stecken und fühlte mich getröstet. Wenn ich mit solcher Gefühlslage in Richtung meines Rüden steuerte, dann guckte der weg, rollte mit den Augen und dachte: „Geh bitte an mir vorbei. Mit deinen Emotionen kann ich gar nicht um.“ Tia, dem lieben Atambu musste ich irgendwie immer das Pfötchen halten und für ihn da sein… der hat mir nicht geholfen.
Und wer meint, er möchte die Läufigkeit der Hündin nicht haben…. Der kann hinter dem Rüden 365 Tage die grünen Tropfen vom Boden wischen. @Rüdenbesitzer: ykikyk
Lasst euer Bauchgefühl oder das Schicksal entscheiden, wenn ihr keinen klaren Favoriten habt. Schön ist es so oder so!
Züchter, Kleinanzeigen, Tierheim oder Tierschutz
Auch diese Frage ob Rassehund oder Promenadenmischung in Not wird schnell vom Bauchgefühl entschieden. Da gibt es weder gut noch schlecht.
Was aber schlecht ist, wenn euch die Welpen Schar aus dem Kofferraum heraus für ein Schnäppchen angeboten werden. Auch Schnapper bei Kleinanzeigen o.ä. Foren; Finger weg! Wenn ihr einen Hund wollt, recherchiert und entscheidet euch für seriöse Züchter oder Vermittlungsorganisationen. Das kostet natürlich immer etwas mehr Geld. Wir sparen lieber an anderen Ecken 😉(Futter oder Equipment).
Und ein gut gemeinter Tipp: sollten kleine Kinder im Haushalt sein, würde ich immer einen Welpen empfehlen. Denn nur hier wisst ihr, wie dieser Hund geprägt wurde. (Und zwar von euch!) Ein erwachsener Hund aus dem Tierheim oder dem Ausland kann eine böse Überraschung bergen. Gleichzeitig ist hier wahrscheinlich auch wirkliche Hundeerfahrung sinnvoller. Und wenn alle Stricke reißen, dann muss wenigstens ein professioneller Trainer her.
Fachwissen
Als Hunde- Neuling tut euch und vor allem eurem Hund den Gefallen und kümmert euch VOR Einzug des Vierbeiners um „know how“.
Im Vorwege Fachliteratur lesen, rechtzeitig zur Hundeschule anmelden (keiner hat 365 Tage im Jahr Welpengruppen!) oder einen Hundetrainer engagieren.
All das ist eure Basis für ein schönes Miteinander. Wenn der süße Kleine erstmal Junghund ist und nicht mehr zu bändigen, dann wird es nur noch schwerer und langwieriger, als von Anfang an mit Leib und Seele dabei zu sein.
Urlaub
Ganz wichtiges Thema. Die Devise „irgendwas ergibt sich schon“ ist nicht wirklich die Lösung. Um euer Nervensystem zu schonen, macht euch Gedanken, wo euer Hund im Urlaub angemessen untergebracht werden kann.
